Rezension: Das Glasperlenspiel (Hermann Hesse)

 


+++unbezahlte Werbung, da keine Gegenleistung in irgendeiner Form+++

 

„Die Verzweiflung schickt Gott uns nicht, um uns zu töten, er schickt sie uns, um neues Leben in uns zu erwecken.“

                  (Das Glasperlenspiel/Der Beichtvater, s. 564)

 

 

Wenn man beginnt, das Glasperlenspiel zu lesen, ist es wichtig zu wissen, das Hermann Hesses Roman in der Zukunft, im 23. Jahrhundert im fiktiven Kastalien, anderen fiktiven Ortschaften und weiteren fiktiven Orden  spielt. Zum Vorbild dienten ihm aber wohl seine Heimat, Kloster Hirsau, Calw, etc.

Protagonist ist der Waisenjunge Josef Knecht, welcher an einer Klosterschule aufwächst. Bald ist klar, dass Josef ein besonderes musikalisches Talent hat, besonders die Geige scheint es ihm angetan zu haben. Das erkennt auch der Magister Ludi, der sich mit dem kleinem Jungen schnell anfreundet. Die weiteren Kapitel beschreiben, wie Josef Knecht in verschiedenen Orden aufwächst, immer unter dem Schutz des Magister Ludi, bis er selbst ein Magister Ludi wird. Auf diesem Höhepunkt der Karriere ist Knecht entschlossen, Gutes und Besseres zu tun, bis ein alter Freund, ihm die Augen öffnet. Josef Knecht legt mit viel Mühsal sein Amt nieder. In den Bergen nimmt er eine Stellung als Privatlehrer für den Schüler eines alten Freundes an. Dort stirbt er aber, bevor er den Jungen unterrichten kann. Mit seinem Tod endet das Glasperlenspiel.

Daraufhin folgen drei Geschichten, die ich nicht wirklich einordnen kann: „Der Regenmacher“, eine recht gruselige Geschichte, die ich nicht wirklich verstanden habe. Am seltsamsten war es, dass es hier wieder um einen Mann namens Knecht gibt. Ist es derselbe, ein anderer? Das wird niemals erwähnt! Die Geschichte endet damit, dass Knecht sich für sein Volk opfert.

Die zweite Geschichte, „Der Beichtvater“, beschreibt die Karriere eines junge Mannes als Beichtvater in Jerusalem, bei Gaza. Seine Besonderheit ist es, den Beichtenden zuzuhören und sie mit dem Bruderkuss zu entlassen. Doch bald gerät er in eine Lebenskrise hinein und sucht einen anderen Beichtvater auf. Auch hier gibt es wieder eine Parallele zum Glasperlenspiel: der junge Mann heißt Josef. 

Die letzte Geschichte heißt „Indischer Lebenslauf“ und spielt im indischen Dschungel. Hier gibt es keine Parallele(n) mehr. Es geht um betrogene Liebe, Macht, Reichtum und das Leben. Alle drei Geschichten werden als „Nachschriften von Josef Knecht“ bezeichnet, dazu wird aber auch keine einzige Erklärung geliefert.

Das Buch ist wieder, wie auch Demian, sehr philosophisch geschrieben. Das ziehende Geschichte stark in die Länge, ist auf der anderen Seite aber auch sehr interessant. Mir sind ein paar Dinge beim lesen aufgefallen: 

1.     Der Name Josef Knecht. Josef heißt soviel wie „hinzufügen“. Möglicherweise wie wachsen? Ein wachsender Knecht? Das würde sehr gut zu dem Leben des Mannes passen, der sich durch Gehorsam auszeichnet. Ich denke, Hermann Hesse hat diesen Namen mit Absicht genauso gewählt.

2.     Es gibt keine Frau! Also, doch, schon, ja, aber keine „große“ Frau. In jedem anderem Hesse-Roman gibt es eine „Herrscherin“, eine „Mächtige“, die größer als alle Männer ist. Nur im „Regenmacher“ wird erwähnt, dass es eine Weise wohl gibt, aber mehr bekommt man über die auch nicht zu hören. Ich habe versucht, mehr darüber herauszufinden, habe aber nichts gefunden. Weiß jemand von euch was?

3.     Das Glasperlenspiel wird im kompletten Buch nicht ein einziges Mal erläutert! Gibt es dieses Spiel überhaupt, wenn ja, konnte Hesse es spielen? 

Fazit: „Das Glasperlenspiel“ ist ein typischer Herrmann Hesse und doch irgendwie Genz anders. Es hat mir deutlich besser als „Demian“ gefallen, aber hat mich immer noch nicht wirklich erreicht. Es ist philosophisch sehr interessant, v.a. unter dem Standpunkt, dass es zur Zeit des Nationalsozialismus geschrieben wurde. Und wegen kontroversen Ansichten diesem gegenüber lange, lange nicht in Deutschland verlegt wurde. Die Kapitel sind sehr lange und die Geschichte zieht sich oft unendlich.

 

Viele Grüße 📚


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Buchtitel-Challenge: MÄRZ

(AKTION) COVER WEDNESDAY (24.04.24)

Rezension: „Altes Leid - Ein Fall für Ida Rabe“